Von Pfandfindern und Powergamern
oder
irgendeiner verliert immer...
Kalter Nordwind, der zufälligerweise aus Norden wehte, fegte durch die Strassen einer kleinen Stadt im Süden eines europäischen Landes, dessen Namen hier nicht erwähnt werden soll, als jemand, den wir hier als "rescuediver" bezeichnen wollen jemanden, der in dieser Geschichte die Bezeichnung "witchhunter" trägt, von seinem, also "witchhunters", zuhause abholte. Die beiden waren Profis, das konnte man daran erkennen, wie sie miteinander umgingen. Rescuediver kam rein , sah witchhunter an und fragte unverblümt: "Alles klar, Mann?". "Mann, alles klar",- antwortete witchhunter und packte weiter. Ohne viele Worte zu verlieren registrierte rescuediver mehrere auf dem Boden liegende Taschen, die ausnahmlos noch offen waren. Etwas war schief gelaufen, dachte er, äusserte sich jedoch nicht zu diesem Thema, wie man es eben von einem echten Profi erwartet. Er ging zu Regalen mit Figuren und während witchhunter kramphaft versuchte gleichzeitig zu packen und cool und gelassen auszusehen, betrachtete rescuediver entspannt witchhunters Figuren.
Da alle cool blieben, dauerte es nicht mehr lange. Alles war eingepackt worden. Die Gefährten verliessen das Haus, stiegen in ein Fahrzeug und fuhren los. Relativ leere Strasse, verständliche Verkehrsschilde, rescueduvers ruhige Fahrweise, das alles beruhigte und gab das Gefühl auf dem richtigen Wege zu sein. Keiner sagte dazu ein Wort, aber da ein gewisser Razgor nicht dabei war, waren sich alle Beteiligten sicher - sie kommen an und zwar rechtzeitig. So war es auch geschehen. Nach drei Stunden Fahrt näherten sich unsere Charakteren einer etwas größeren und ziemlich unübersichtlichen Stadt namens S*****. Das mit unübersichtlich wäre einem Durchschnittsbürger nicht aufgefallen, aber als unsere Profis keine vertraute grosse M (für McDonalds) an der Einfaht in die Stadt entdeckten, wussten die beiden - das wird die Hölle! Sie waren eben von der alten Schule, so etwas lernt man heutzutage nicht mehr.
Der Verdacht auf Unübersichtlichkeit hat sich bestätigt. Ganze 20 Minuten irrten sie durch die Gegend, bis sie den Fast-Food Tempel entdeckten. Sie parkten und gingen rein. Zielstrebig und selbstbewusst zuerst auf die WC-Tür. Die Tür ging nicht auf. Dann sah einer von ihnen mit geübten Auge eine kleine kaum auffälige Einrichtung an dem Türschloss. Beim näheren Betrachten stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Hochsicherheitsschloss handelt, der nur mit einer 50 Cent Münze geknackt werden kann.
Rescuediver hatte sich entschieden zuerst das Personal zu befragen und entfernte sich. Einige Augenblicke später öffnete sich die Tür von innen und ein Mann trat aus. Witchhunter reagierte blitzartig. Er sprang hin und hielt die Tür. Der Weg war frei. Doch wo blieb rescuediver? Nach einigen vorsichtigen und erfolglosen Versuchen ihn zu rufen entschied sich witchhunter dafür, den Raum zu betreten. Die Show musste unbedingt weitergehen. Eine halbe Minute später klickte eine 50 Cent Münze im Schloss und rescuediver erschien. Sein Gesichtsausdrcuk war eher als mürrisch zu interpretieren. Hmmm, dachte witchhunter, ich hätte vielleicht doch etwas länger warten sollen....
Noch eine halbe Stunde später fuhren sie weiter. Witchhunter hielt einen Becher mit Kola in der Hand und zog nachdenklich an einem Strohhalm. In seinem Magen ruhte ein ziemlich beachtenswerter wenn auch nicht unbedingt sehr gut schmekender Hamburger Royal. Eine vergleichbare Substanz befand sich etwas links von ihm, im recuedivers seinem Magen. Die Beiden führten eine fachlich versierte Diskussion darüber ob Pommes gerade eben schecht oder eher nicht so ganz schlecht zu bezeichnen war. Eine eindeutige Meinung wollte sich nicht bilden. Witchhunter war sich nur in einem Punkt einig - Cola, die war in ordnung. Aber Cola war schon immer in Ordnung, daher war es keine besonders bahnbrechende Erkenntnis.
Es dauerte nicht mehr lange und sie kamen an dem vereinbarten Treffpunkt an. Es war gut getarnt. Kein Mensch auf dieser Welt würde vermuten, dass sich in einem Pfadfinder-Keller unter einer Kirche bald etwas derartig blutiges und brutales abspielen würde. Witchhunter verstand sofort die Verschlagenheit des Organisators des Geheimtreffens, den man als Blackhawk kannte und nickte anerkennend mit Kopf. Es tat gut, mit Profis zusammen zu arbeiten. Rescuediver zog ähnliche Schlüsse und ohne sich abzusprechen taten beide so als wären sie Pfadfinder und suchten nach einem Pfad, den sie selbstverständlich auch gefunden haben. Auf dem Weg vom Auto zu dem Keller fuhren die beiden Tarngespräche über die unterschiedlichen Methoden des Zeltenaufstellens und Feuermachens. Sie waren zu erfahren um sich so etwas als Stolzgefühl zu erlauben, doch herrschte eine gewisse Zufriedenheit auf ihren Gesichtern. Sie waren verdammt gut.
Dann waren sie im Keller und böse unfreundliche Aussenwelt blieb eben draussen. Es war warm, es gab was zum Trinken und einiges zu besprechen. Witchhunter nahm die Umgebung auf, sortierte erneut Gesichter, ordnete Nicks zu. Zwei Dinge waren ihm sofort aufgefallen - Hezas Orks waren immer noch unbemalt und Blackhawk wirkte irgendwie kräftiger. Was Blackhawk anging, war er sich jedoch nicht so sicher. Aber bei Heza, da gab es keinen Zweifel.
Es war für witchhunter an der Zeit seine neue Armee auszupacken. Voller Stolz und Erwartens des Lobes, holte er die Metallkisten und öffnete sie. Alle sagten "O-o-h", wobei es hätte auch genauso gut "A-a-h!" sein können. "Cool," - fügte jemand hinzu und ging ein Bier holen. Das alles interpretierte witchhunter als Lob. Nachdem A-a-h's und O-o-h's nachgelassen haben, packt er die Kisten weider weg und vier Gesellen (Heza, Obgen, Dragonmind und witchhunter) holten ihre Orks-Armeen raus um an einer historischen grünen Begegnung teilzunehmen. Seitens Obgen waren es jedoch keine Orks gewesen, sondern Goblins in eher grauen Farben. Alles sprach dafür, dass sie nicht bemalt waren. Doch sagte keiner was dazu. Jeder wollte auf den Hügel, den es zu erobern galt.
Dann krachen all die Figuren aufeinander (nicht wirklich natürlich!) Hezas Boss floh wie immer durch die Gegend. Witchhunter meinte daraufhin, dass Heza langsam neue Figuren brauche, da diese einfachen nichts taugen. Heza war nicht einverstanden, er war der Meinung, er muss nur die Köpfe und Arme drankleben und schon würde er zu einem Turnier-Slayer werden. Wäre auch möglich , sagte witchhunter und erzählte nochmal die Geschichte von zwei Razgor's Orks Regimentern die nie was taugen und immer nur auf die Mütze kriegen. Seine Theorie war unglaublich. Er meinte tatsächlich, dass manche Figuren im Spiel besser stehen als die anderen. Alle nickten höfflich zu und sagten nichts. Doch dachte sich jeder seinen Teil dazu...
Das Spiel ging weiter. Es lief gut für witchhunter. Einerseits räumten seine Trolle in den Dragonminds Reihen auf, andererseits standen seine Wolfsreiter bereits auf dem Hügel und ein paar Orks gesellten sich dazu. Noch eine Runde und Dragonmind war Geschichte und voller Freude schrie witchhunter das übliche banale und von Medien zertretene "I'm the king of the world!". Dann lief was schief. Gewaltig. Dummerweise befanden sich unten am Hügel ein paar wilde Orks von Obgen inklusive eines Orkbosses. Nach der Punktezählung hiess es auf einmal , Obgen sei der neue King. Das war bitter. Doch erträglich.
Es war Zeit zum Schlafen. Alle waren müde. Vier Bosse und rescuediver stiegen in ihre Autos und fuhren zu Heza, der allen vier Betten und Matratzen versprochen hatte. . Heza's Keller war gemütlicher und vor allem sauberer als der von den Pfadfindern. Es gab eine Dusche und Teppichboden. Und auch noch einen Confrontation-Troll, den Heza unbedingt loswerden wollte. An witchhunter versteht sich. Kein anderer war so verrückt. Witchhunter hielt jedoch stand und liess sich nicht unterkriegen. Gut , sagte Heza, morgen reden wir drüber und ging schlafen. Es wurde dunkel. Alle schliefen. Später erzählte Dragonmind, er hat nicht einschlafen können. War zu aufgeregt. Alle lächelten.
Am nächsten Morgen wachten sie auf. Ist auch logisch. Die Sonne schien, es war warm, gemütlich und der Gedanke an die im Keller gelassenen Kameraden sorgte für die Gänsehaut. Doch heisse Dusche half, Gänsehaut verschwand und das schlechte Gewissen ebenso. Alles woran man noch gedacht hat, war - Essen, Frühstück, was warmes zu trinken. Also stiegen die Gesellen wieder in ihre Fahrzeuge und fuhren los. Bis zum ersten Spiel waren es noch ca. 3 Stunden...
Das erste Spiel gegen Astaphas war für witchhunter ein Schock geworden. Hinter den Bäumen stand eine Warpblitzkanone und schoss hindurch, worauf Astaphas witchhunter liebenswürdigerweise hingewiesen hat, als der all seine Streitwagen und Regimenter in einer Linie aufgestellt hatte. Witchhunter wurde hektisch, fing an die Regimenter zu schieben und auszuweichen. Die Mühe war umsonst, da Astaphas sich dafür entscheiden hatte den Würfelpech an sich zu nehmen. Witchhunter bekam dafür lauter Fünfer und Sechser. Er würfelt wie ein Gott und das erschreckte ihn immer mehr. Als seine Trolle dafür sorgten, dass Astaphas General mit seinem fettesten Regiment flieht und Chaoskrieger ihn aufholten und vernichteten, bekam witchhunter kalte Füsse. Das konnte einfach nicht sein. Er gewann überlegen. Wie immer in solchen Minuten dachte er an die alte Weisheit - Alles hat einen Preis...Ihn schauderte es beim Gedanken was er alles eines Tages für diesen Sieg hinlegen soll. Aber sei's drum, sagte er zu sich selbst und es ging weiter.
Im zweiten Spiel gegen Echsodus ist es ganz schlimm geworden. Egal was witchhunter tat, es gelang ihm, er würfelte gut, seine Manöver klappten und er gewann wieder. Das war einfach nicht mehr normal. Da bekam er es zum ersten Mal so richtig mit Angst zu tun. Wie hoch wird der Preis für dieses Triumph? Bestimmt zu hoch. Er ahnte böses...doch entschied er sich erstmal dafür, die Sorgen zu vergessen und sich in seiner neuen Rolle als Powergamer eingehend zu betrachten. Dass er in diesem Augenblick einer war, stand ausser Frage, nur ein Powergamer konnte zwei Spiele nacheinander gewinnen. Dragonmind ging ähnlich. Er gewann auch zwei Mal. Auf die Frage was es für ein Gefühl ist, sich als Powergamer zu fühlen, antwortete er, es sei ein geiles Gefühl. Witchhunter verglich es mit seinen eigenen Empfindungen. Er hatte ähnliches empfunden. Es war einfach geil!
Eigentlich hätten sie an der Stelle mit dem ganzen Theater aufhören sollen und nach Hause fahren. Witchhunter wäre immer noch ein Powergamer und würde in der Liste auf dem zweiten Platz sitzen. Doch keiner wollte nach Hause, also blieb er auch und wartete auf die Dinge, die unwiderruflich auf ihn zukamen. Es waren schlimme Dinge, das wusste er, nur ahnte witchhunter noch nicht wie schlimm. Aber zuerst gab es was zu essen. Eine Menge. Fleisch und Wurst und Bier dazu. Traumhaft das alles. Leider nicht von Dauer.
Als er gegen später mit seiner Armee gegenüber der von Hagen stand wurde ihm ganz mulmig. Hagen hat aufgestellt und witchhunters innere Stimme sagte - das war's. Hagen war gut, verdammt gut sogar. Witchhunter dagegen zappelig, zu langsam beim Vorrücken und zahlte dafür beim jedem Zug nicht mit Einzelfiguren sondern mit Regimentern. Es war eine Show in Sachen Chaos-Wegschiessen. Streitwägen und Zauberer, Ritter und sonstiges. Alles wurde niedergemetzelt. Eine einzige Fehfunktion bei Salvenkanone brachte Feuersturm. Die Chaosritter mussten dran glauben... Witchhunter hatte keinen einzigen Augenblick lang eine Chance. Mit seiner verhängnissvoll langsamen und vorsichtigen Bewegungsphase im ersten Zug hat er praktisch einen taktischen Selbstmord gegangen. Am Ende hiess nur so wenig wie möglich zu verlieren. Er lief herum , versteckte die Trolle hinter den Bäumen um bloss nicht erschossen zu werden. Es war ein Massaker mit 1800 Punkten. Witchhunter dachte , das ist das Ende. Jedoch irrte er sich, es kam noch dicker, aber erst zwölf Stunden später.
Er verliess den Tisch und stellte fest, dass Dragonmind auch verlor. Irgendwie tat es ihm gut. Er war zwar kein Powergamer mehr, aber Dragonmmind auch nicht. Es war ein gutes Gefühl. Es war spät und sie fuhren wieder zu Heza. Obgen gab Bier aus, sie saßen in Hezas Zimmer, tranken das kalte flüssige Zeug aus dunklen Flaschen und sprachen über dies und das. Überwiegend darüber was wäre wenn...Es half nicht weiter. Heza holte wieder den Troll und legte ihn vor witchhunter hin. Der war müde, es war ihm alles egal. Er kaufte den Troll, steckte ihn in die Tasche und legte sich schlafen. In dieser Nacht schlief witchhunter fest, doch träumte er abwechselnd von Kanonen, kaputten Streitwägen und von den Zauberern, die einer Kanonenkugel auf den Kopf getroffen werden.
Am Sonntag morgen war die Welt erstmal wieder in Ordnung. Die Sonne, die Dusche, Obgens freundliches Gesicht...Im Keller angekommen, mussten sie feststellen, dass alle noch schliefen. Ha! Witchhunter machte ein wenig Stress, ging eine Weile lang schlafendem Ceno auf den Wecker, was ihn aber schnell langweilte. Also machten er und ein paar andere Verlierer für alle Frühstück, räumten nachher auf und hofften darauf, dass sie dafür ein paar Siegespunkte bekommen. Vergeblich...
Witchhunters Gegner war Ceno. Ceno war höflich. Das hätte witchhunter warnen sollen. Das Spiel war einmalig. Einerseits würfelte unser Hexenjäger so schlecht wie noch nie, andererseits war Ceno unglaublich gut. Er beherrschte das Feld, die Magie und was es sonst noch zu beherrschen gab. Was witchhunter auch immer versucht hatte, es wurde entweder duch Ceno's überlegene Taktik oder witchhunters überwältigenden Würfelpech zunichte gemacht. Die Niederlage war vernichtend. Das war DAS Massaker! Witchhunter verlor alles, 100%, holte dafür nur ein paar Skeletten vom Pferd. Ceno sprach ihm seinen Mitleid aus. Witchhunter beschimpfte ihn als Powergamer. Ceno grinste zufrieden. Dann verstand witchhunter, das war der Preis für die gestrigen Siege. Wenn wir fallen , fallen wir tief...
Der Rest dieser Geschichte ist nicht mehr so spannend und besteht hauptsächlich aus Figuren packen, Tische aufräumen und nach Hause fahren. Die Fahrt nach Hause verlief genauso glatt wie die von zuhause weg. Rescuediver beherrschte die Strasse und witchhunter die Chipstüte. Sie sprachen über Zukunft, Vergangenheit und auch die Gegenwart wurde nicht ausser Acht gelassen. So erreichten sie den Süden des Landes irgendwo in Europa und schafften es sogar dieselbe Tankstelle wie am Freitag aufzusuchen und das Pfand zurückzugeben. Profis eben, was soll man da noch dazu sagen...
witchhunter
11.04.03